Erwartungen

von
Ludger Bettmer
|
27.09.2017 | 0 Kommentare
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Im Verlaufe des zurückliegenden Wahlkampfs zum Bundestag wurden von Politikern immer wieder Versprechungen abgegeben, dieses oder jenes zu tun, wenn sie nach der Wahl Regierungsverantwortung übernehmen.

Aber wie oft werden Politiker daran erinnert, ein Versprechen nicht gehalten zu haben. Die Erwartungen der Wähler an die Politik wurden in diesen Fällen enttäuscht.

Das Thema Erwartungen spielt auch im Führungsalltag eine wichtige Rolle, und zwar in zweifacher Hinsicht: (1) Führungskräfte haben Erwartungen an ihre Mitarbeiter und (2) Mitarbeiter haben Erwartungen an ihren Vorgesetzten. Wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, entstehen Unzufriedenheit und vielleicht sogar Enttäuschung. Ein möglicherweise vorher vorhandenes Vertrauensverhältnis wurde dadurch gestört, die weitere Zusammenarbeit ist schwieriger geworden.

Nicht erfüllte Erwartungen an eine Leistung oder ein Produkt schaffen Unzufriedenheit. Dabei hängt die Reaktion auf eine Leistung auch von der Art der Erwartung ab, die ich an diese Leistung habe. So gibt es die Muss-Erwartungen, die bei Erfüllung eine neutrale Reaktion auslösen und bei Nicht-Erfüllung eine große Enttäuschung. Demgegenüber gibt es die Kann-Erwartungen, die bei Erfüllung eine sehr große Zufriedenheit auslösen und bei Nicht-Erfüllung eine neutrale Reaktion. Dazwischen sind die Soll-Erwartungen anzusiedeln, die bei Erfüllung eine Zufriedenheit generiert und bei Nicht-Erfüllung eine Enttäuschung, in beiden Fällen aber nicht sehr stark ausgeprägt.

Bei den Muss-Erwartungen lassen sich also lediglich Unzufriedenheiten vermeiden, bei den Kann-Erwartungen lassen sich Gefühle wie Begeisterung hervorrufen. Das gilt auch für den beruflichen Kontext. So gibt es Selbstverständlichkeiten, über die man an sich gar nicht sprechen muss. Sowohl hinsichtlich des Verhaltens des Chefs wie auch des Mitarbeiters. Die jeweils andere Seite muss dies erwarten dürfen.

Demgegenüber gibt es natürlich Erwartungen, die nicht selbstverständlich sind. Nur im Gespräch können diese Erwartungen offen gelegt, diskutiert und gegebenenfalls „vereinbart“ werden. Lediglich davon auszugehen, dass die andere Seite diese oder jene Leistung erwartet, reicht nicht aus. So sind Konflikte und Frustrationen vorprogrammiert.

Die gegenseitigen Erwartungen müssen also im Gespräch synchronisiert werden. Transparenz durch Kommunikation ist das Gebot. Das klingt so selbstverständlich. Meine Erfahrungen zeigen mir aber, dass diese wichtige Kommunikation aus den verschiedensten Gründen häufig nicht stattfindet.

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