Führung mit weniger Kontrolle

von
Ludger Bettmer
|
30.11.2016 | 0 Kommentare
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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. So lautet eine weitverbreitete Ansicht. Ist diese noch zeitgemäß – bezogen auf Führungsarbeit? Tendenziell wird es wohl so sein: Führungsarbeit muss in Zukunft mehr auf Vertrauen basieren und weniger auf Kontrolle. Warum?

Die Welt ist in der letzten Zeit sehr viel komplexer geworden. Außerdem ist der Eindruck vieler Menschen richtig, dass die Geschwindigkeit, mit der wir privat wie auch beruflich leben, immer schneller wird. Schnelllebigkeit und Komplexität, das sind zwei Eigenschaften unseres Lebens, die auch eng mit der technischen Entwicklung (Internet) und der Globalisierung der vergangenen Jahre verbunden sind. Die Digitalisierung wird dazu beitragen, dass dieser Prozess weiter voranschreiten wird.

Was bedeutet diese Veränderung der Rahmenbedingungen für den Arbeitsalltag einer Führungskraft? Wenn schneller gehandelt werden muss, trifft dies auch für viele Entscheidungen im täglichen Berufsleben zu. Entscheidungsprozesse können dann zum Beispiel nicht mehr über mehrere Hierarchiestufen abgesichert werden. Konsequenterweise müssen die Führungskräfte bei ihren Mitarbeitern „Entscheidungsfreiräume“ schaffen. Und das geht nur, wenn ihnen ein entsprechendes Vertrauen entgegengebracht wird. 

Die zunehmende Komplexität wird dazu führen, dass Führungskräfte immer weniger Experten in Detailfragen ihres Verantwortungsbereichs sind. Das für viele Entscheidungen notwendige Wissen liegt größtenteils bei den Mitarbeitern. Auch deshalb werden Führungskräfte ihren Mitarbeitern immer mehr Freiräume für eigenverantwortliches Agieren geben müssen.

Bei dieser zunehmend von Vertrauen getragenen Führungskultur werden wahrscheinlich auch (mehr) Fehler von den Mitarbeitern gemacht. Aber auch das muss nicht schlimm sein. Ein vernünftiger Umgang mit Fehlern führt dazu, dass ein Unternehmen daraus sehr viel Nutzen ziehen kann. Die Mitarbeiter sind motiviert, eigenständig zu handeln und zu entscheiden. Und sie haben keine Angst davor, Fehler zu machen. Natürlich sind auch Führungskräfte nicht frei von Fehlern. Sie sollten aber auch zu ihren Fehlern stehen. Das wird von ihren Mitarbeitern erwartet. 

So kann sich insgesamt eine auf Gegenseitigkeit beruhende vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickeln, bei der immer weniger Kontrolle durch die Führungskräfte und gleichzeitig wachsende Eigenverantwortung seitens der Mitarbeiter erforderlich ist. 

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