Führungswahrheit

von
Franz Arnold
|
04.04.2016 | 9 Kommentare
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Die Wahrheit über Personalführung ist, dass viele Führungskräfte zu wenig Zeit dafür aufbringen.

Der Bedarf an Zeit für Führung ergibt sich aus dem Wissen um erfolgreiche Kommunikation: Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht akzeptiert, akzeptiert ist nicht getan. Um zum guten Handeln zu kommen, ist umfassende Kommunikation wesentlich.

Viele Führungskräfte kümmern und sorgen sich aber zuerst um das, was sie für ihre Arbeit halten. Dabei geht es vor allem um Fachliches und Management. Personalführung steht in der Rangreihe auf den hinteren Plätzen - und  fällt immer wieder Dringlicherem zum Opfer.

Eine Ursache dafür ist, dass die meisten Führungskräfte den Bedarf an Zeit für wirksame Führung unterschätzen. Und diese Führungskräfte unterschätzen den Bedarf, weil sie praktisch kaum führen. Sie nehmen sich selten die Zeit, sich auf echte Führungsgespräche einzulassen.


Darum müsste der Titel hier in Anlehnung an die Lebenslügen besser „Führungslüge“ heißen. Nahezu alle beteuern, dass Personalführung so wichtig sei.  Aber die dafür aufgebrachte Zeit ist meist nicht mehr als der „Tropfen auf den heißen Stein“.

Mit der Zeit für Führung ist es wie mit vielen energetischen Systemen: Wenn ein Minimum unterschritten wird, ist die  Wirkung der Investition gleich Null. In vielen Führungsbeziehungen fehlt es so sehr an Zeit, dass von Führung nicht gesprochen werden dürfte.

Kommentare

Wie wahr. Doch dazu müsste dann in den Stellenbeschreibungen für Führungskräfte eben genau dieser Faktor Zeit für Führung definiert sein. So wie z.B. google seinen Mitarbeiten einfach die Zeit einräumt (20-30%?) zum relaxen, damit gute Ideen geboren bzw. mit Kollegen ausgetauscht werden können. Und Zeit ist ja bekanntermaßen neben der Gesundheit eine knappes und wichtiges Gut.

Ich kann dem nur zustimmen, der Zeitbedarf ist aber nur das eine. Dazu kommt, dass selbst bei eingeräumten Freiräumen die richtige Allokation der Zeiten eine wesentliche Rolle spielt. Ich bin gespannt auf die Fortsetzungen, vor allem, welcher Anteil an Zeit der vermeintlich richtige ist. Bei mir werden 5 % pro Mitarbeiterkapazität angesetzt, allerdings ist es bei der operativen Fülle an Themen und Projekten häufig illusorisch, vor allem je kleiner ein Unternehmen ist. Führungskräfte werden neben der Führungsaufgabe eben häufig in Projekten eingesetzt und erfüllen immer noch "zu viele" operative Tätigkeiten. Manchmal ggf. auch, weil das Routine ist, und leichter fällt als Führung.

Lieber Herr Arnold, gut dass mich Ihr Blog nochmals an diese Wahrheit erinnert. Auch in meinem jetzigen Projekt habe ich wieder mit vielen Fürhungskräften aller Ebenen zu tun, die zuwenig in individuelle Führung investieren.

Das ist richtig. Als Führungskraft sollte man auch Tätigkeiten delegieren und damit sich Freiräume schaffen für Personalführung.
Regelmäßig als Erinnerung einstellen wäre eine Idee. Danke dafür.

In vielen Stellenbeschreibungen läuft Führung als Nebensache oder eben überhaupt nicht. Dann muss ich auch keine Zeit investieren. daher ist dieser Input eine gute Anregungen an die Wurzel des Problems zu gehen. Vielen Dank

Sehr treffend! In den Stellenbeschreibungen sind ja meist keine Zeitanteile definiert, sondern lediglich die Aufgaben qualitativ beschrieben. Ich denke, es ist wirklich ein Thema des Rollenverständnisses und der Disziplin. Und: Führung ist anstrengend, meist viel anstrengender als operative Aufgaben unter Zeitdruck wegzuputzen. Es ist wie mit der stumpfen Axt und dem Baum, der gefällt werden soll. Wenn ich nicht in die Schärfung der Axt investiere, werde ich am Ende immer ineffizienter.

Hallo Herr Arnold,

vielen Dank, dass ich noch auf dem Verteiler bin. Ich lese das noch ganz gerne.

Meiner Frau und mir geht es hervorragend, ich bin noch ein Bißchen aktiv (ein Beirat, ein Aufsichtsrat, Vorlesungen und etwas Beratung), aber jetzt total selbstgesteuert und wir reisen viel!

Viele Grüße Bernd Höddinghaus

Lieber Franz,
durch Deine gewinnbringenden Kommentare und Fachbeiträge wird man immer wieder daran erinnert, was das Wichtigste in einem Unternehmen ist - der Faktor Mensch. Und dieser benötigt nun mal Ansprache, Zeit, Führung, Austausch, Struktur, Inspiration und vieles mehr, was den Unterschied ausmachen kann. Zufriedene Mitarbeiter sind motivierter und erfolgreicher. Dies geht nur über Führung und die benötigt nun mal auch Zeit.
Danke & Gruß Stefan