Plötzlich Führungskraft: Genuss oder Grenzgang am Traumberg?

von
Gerd Scheuermann
|
27.07.2016 | 2 Kommentare
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Stellen Sie sich diese Situation vor: Person X - Generation Y, ein hervorragender Fachmann /-frau in einem KMU wird plötzlich vor die Frage gestellt: Wollen Sie Führungskraft werden?

Der Berg ist mächtig, die Route ist unbekannt. Theoretisch traut man sich es zu, aber es gibt auch Zweifel. Habe ich meine Ausrüstung dabei? Bin ich genug ausgebildet, kann ich diese Seilschaft auch führen? Reicht meine Kraft für diesen Weg?

Und nun?

Käme diese Person bei den Fragen nach „Wer bin ich, wo komme ich her, wo will ich hin?“ aus der Sprachlosigkeit nicht heraus, würde ich vor einem unmittelbaren Einstieg in die Führung abraten! Die Seilschaft würde ins Straucheln kommen, sich versteigen.

Hätte ich den Eindruck, dass diese Person „das Zeug dazu grundsätzlich mitbringt“ wäre mein Vorschlag den Austausch für Rat und Tat von außen zu suchen. Unterstützung zu suchen, ist kein Zeichen von Schwäche – sondern ein Zeichen von Stärke. Das zeigt die Bereitschaft zu lernen, sich professionelle Unterstützung zu holen, bei einer Person, die hilft, die Route zu finden, dabei das Seelenleben einer Seilschaft und meine Rolle in diesem Umfeld zu verstehen, um erfolgreich den Weg meistern zu können. Dann wird positives Gestalten möglich.  Statt Grenzgang mit der Gefahr des (bildlichen) Absturzes ein zwar herausfordernder Weg, dann aber mit Genussaussicht am Gipfel.

Und wenn die Person durch Reflektion und erste Unterstützung den Eindruck gewinnt, dass ihr Platz in der Seilschaft ein anderer ist, wäre dies eine sehr wertvolle Erfahrung – seine Grenzen kennenlernen, sie akzeptieren, sich die Frage gestellt haben, ob ich die V
erantwortung für eine Gruppe übernehmen will.

Kommentare

Sehr geehrter Herr Scheuermann,

aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass der Einstieg in eine Führungsposition als junger Mensch sehr schwierig ist. Über Unterstützung auf diesem steinigen Weg kann man nur dankbar sein, sollte diese auch immer annehmen und bloß nicht zu stolz sein.
Die wenigsten Menschen werden in eine Führungsrolle hineingeboren, sondern müssen den Weg, der oft genug sehr steinig und frustrierend ist, mit besonders viel Ausdauer und Biss gehen.
Der Faktor Mensch lässt sich leider nicht berechnen, daher kann die Führungsrolle sowohl mitunter sehr frustrierend aber auch sehr bereichernd sein.

Leider sind die Möglichkeiten professioneller Unterstützung in KMU in der Realität meist sehr begrenzt. Unterstützung von außen idR ausgeschlossen, es sei denn man kümmert eigeninitiativ darum.

Daher lautet die Devise, mitnehmen was geht und learning by doing.

Freundliche Grüße Nikola Mandic

Sehr geehrter Herr Mandic,
besten Dank, dass Sie Ihren Weg zur Führung sehr offen und konstruktiv hier im Blog teilten. Ich hätte noch eine Nachfrage zu den begrenzten Möglichkeiten: Liegt es am Geld und der damit verbundenen Sichtweise Kostenfaktor statt Erfolgsfaktor, liegt es am Willen (...braucht man nicht), ist es in KMUs einfach ein Zeitfaktor (Tagesgeschäft, Tagesgeschäft). Was ist Ihre Sicht der Dinge dazu?

Freundliche Grüße
Gerd Scheuermann